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Wenn das Leben anders läuft als erwünscht – wie Annahme neue Wege öffnen kann

Aktualisiert: 30. Jan.

Manchmal läuft das Leben einfach nicht nach Plan. Ein geliebter Mensch wird krank, man wird entlassen oder die eigenen Kinder treffen Entscheidungen, die unseren Erwartungen oder Ratschlägen widersprechen.

 

In solchen Momenten steigen starke Emotionen wie Frustration, Widerstand und sogar Wut an die Oberfläche.

 

Unsere natürliche menschliche Reaktion ist oft der Versuch, die Situation zu unseren Gunsten zu ändern – was uns viel Energie kostet. Manchmal gelingt es uns sogar, die Umstände nach unserem Willen zu formen, was es jedoch umso schwieriger macht, eine Situation zu akzeptieren, die sich trotz aller Bemühungen nicht ändern lässt.

 

In solchen Momenten kann es sich anfühlen, als hätte das Leben die Kontrolle über uns übernommen, ohne uns nach unserer Meinung zu fragen. Wir befinden uns in einem Konflikt mit der Realität.


 

Ein Kampf gegen die Realität

Die Risiken, die ein Kampf gegen die Realität birgt, lassen sich in folgender Geschichte perfekt veranschaulichen:

 

Ein großes Marineschiff nähert sich aufgrund schlechten Wetters und Nebels dem Hafen, nachdem eine Seeübung abgebrochen wurde. Als sie sich dem Hafen nähern, sehen sie ein schnelles, entgegenkommendes Licht, das sich direkt auf Kollisionskurs befindet. Der Kapitän funkt das andere Schiff an.

 

Kapitän: „Bitte weichen Sie 15 Grad nach Norden aus, um eine Kollision zu vermeiden.“


Antwort: „Empfehle, dass Sie 15 Grad nach Süden ausweichen, um eine Kollision zu vermeiden.“


Kapitän: „Hier spricht der Kapitän eines Marineschiffs. Ich wiederhole: Weichen Sie aus.“


Antwort: „Nein, ich wiederhole: Sie weichen aus.“


Kapitän: „Hier spricht ein großes Marineschiff mit mehreren Begleitschiffen. Ich befehle Ihnen, Ihren Kurs 15 Grad nach Norden zu ändern, um unsere sichere Passage zu gewährleisten.“


Antwort: „Hier spricht der Leuchtturm.“

 

Was tun, wenn das Leben uns Leuchttürme in den Weg stellt?

Was tun wir, wenn das Leben uns Hindernisse in den Weg stellt oder uns nicht gibt, was wir wollen? Oft werden wir wütend und frustriert, beschweren uns, dass es nicht so sein sollte, fühlen uns als Opfer und ungerecht behandelt oder versuchen verzweifelt, die Hindernisse (Leuchttürme), die unseren Weg blockieren, zu entfernen. Idealerweise würden wir die Realität schnell akzeptieren und uns den neuen Möglichkeiten öffnen, die in diesem Moment verfügbar sind, selbst wenn es nicht das ist, was wir ursprünglich wollten.


Doch das Leben ist selten so klar wie in der oben beschriebenen Geschichte. Oft halten wir an der Hoffnung fest, die Realität könne sich doch noch unseren Erwartungen anpassen, und probieren den Ansatz des Kapitäns: argumentieren, drängen und mit aller Kraft versuchen, die Realität unseren Vorstellungen anzupassen. Scheitern wir, treiben uns Wut und Frustration zu weiteren Versuchen. Dieser anhaltende Widerstand und der Kampf mit der Realität können sehr erschöpfend sein. Das Leben kann sich wie ein ständiger Kampf anfühlen.


Irgendwann werden wir vielleicht mutlos, resignieren, geben auf und distanzieren uns oft von unseren unerfüllten Wünschen oder leugnen sie. Unsere Haltung kann hart und bitter werden, und wir verdrängen unsere tieferen Gefühle gegenüber Situationen oder Menschen: „Es ist mir egal.“ Oft denken wir, das sei Akzeptanz – resigniert zu bleiben, zu fühlen, dass wir nichts tun können, und unsere tieferen Gefühle zu verleugnen. Doch das scheint selten ein Schritt nach vorne zu sein, und so kehren wir vielleicht zurück zu dem fortwährenden Kampf, die Realität zu verändern. Aber wahre Akzeptanz bedeutet nicht, passiv nachzugeben oder unsere Bedürfnisse zu verleugnen.


Akzeptanz und die Realität annehmen

Wahre Akzeptanz bedeutet, offen dafür zu sein, was bereits da ist, und die Realität zuzulassen, ohne die Erwartung, dass sie anders sein müsste. Es bedeutet, uns selbst dort zu erlauben zu sein, wo wir bereits sind, und von hier aus den besten Weg nach vorne zu finden. Diese Akzeptanz ist nicht einfach; sie erfordert, dass wir uns genau den Gefühlen stellen, die wir zu vermeiden versuchen.


Eine Realität zu akzeptieren, die wir nicht wollen, kann Ängste, Unsicherheit, Enttäuschung und ein Gefühl des Verlusts auslösen. Wir widerstehen der Akzeptanz genau deshalb, weil wir diesen Gefühlen nicht begegnen wollen. Deshalb ist es oft erst nach einem langen Kampf, wenn wir alle Möglichkeiten – und auch uns selbst – erschöpft haben, dass wir den Punkt der Akzeptanz erreichen. Doch das muss nicht so sein.

 

Mit Emotionen anfreunden

Zu verstehen, was Emotionen sind, und zu lernen, sie ohne Widerstand zu durchleben, kann uns schneller mit der Realität in Einklang bringen. So sparen wir uns nicht nur viel Frustration, sondern auch Energie und erleben mehr Momente der Freude und Offenheit.

Das Wort „Emotion“ stammt vom lateinischen „emovere“, was „herausbewegen“ oder „aufwühlen“ bedeutet. Emotionen sind starke Empfindungen im Körper und signalisieren uns, dass wir handeln müssen. Sobald die Botschaft der Emotion verstanden oder die Situation vorbei ist, entlässt der Körper die Emotion und spart so Energie.

 

Wenn wir ihnen ihren natürlichen Lauf lassen, erreichen Emotionen einen Höhepunkt und lassen dann nach, sobald ihre Botschaft „gehört“ wurde. Oft jedoch unterdrücken wir unangenehme Emotionen, um das Unbehagen zu vermeiden, was ihren Zyklus unterbricht. Ironischerweise verlängert sich dadurch nur ihre Dauer und Intensität, was wiederum unseren Widerstand verstärkt und sie noch länger andauern lässt. Wir geraten in einen negativen Kreislauf, der sich selbst verstärkt.

 

Was würde passieren, wenn wir die Emotionen einfach zulassen würden? Wenn wir sie als wichtige Botschaft unseres Körpers ansehen, die unangenehm, aber ein normaler Teil des Lebens sind? Wenn wir ihnen gestatten, zu kommen und zu gehen?

 

Im Einklang sein

Wenn wir diese Emotionen nicht blockieren, spüren wir zuerst eine Steigerung der Intensität des unerwünschent gefühls und dann ein Loslassen, eine Ruhe im Körper und eine Beruhigung des Geistes. Unser Verstand würde nicht mehr unermüdlich an der Veränderung der Realität arbeiten und könnte sich entspannen und sich dem Moment öffnen. Die Realität bliebe unverändert, aber wir würden uns freier fühlen – offener für das, was vor uns liegt. Wir könnten Dinge sehen, die uns vorher verborgen waren, mit einem klareren Verstand, der nicht länger von Widerstand abgelenkt ist.

 

Manchmal könnten wir sogar Momente tiefen Friedens erleben, das Gefühl, eins mit dem Leben zu sein, wie es ist. Vielleicht entdecken wir, dass das eigentliche Problem nicht die Realität selbst war, sondern unser Widerstand, der uns von der Welt um uns herum und uns selbst abgeschnitten hat.

 

 


Übung: Auf dem Weg zur Akzeptanz


Hier eine Übung, die ich oft mit Klient*innen durchführe und die du selbst ausprobieren kannst. Beginne mit einem kleineren Thema oder Konflikt mit der Realität.


  1. Erlaube deinem Widerstand: Stelle dir die unerwünschte Situation lebhaft vor. Konzentriere dich auf die Empfindungen in deinem Körper und lass sie da sein. Gib ihnen Raum in dir. Es ist dein Nervensystem, das dir ein Warnsignal schickt. Nimm die Signale deines Körpers wahr und bedanke dich bei ihnen. Atme ein paar Mal tief ein und aus, halte inne und beobachte, was sich verändert.


  1. Inneres Erforschen – zulassen was da ist: Oft, wenn sich der Widerstand öffnet, zeigt sich das, was uns wirklich bewegt. Vielleicht ist es ein tieferes Gefühl wie Schmerz oder Trauer – oder etwas ganz anderes. Was auch immer da ist, angenehm oder unangenehm: Lade es ein, da zu sein, und gib ihm Raum, als wäre nichts daran falsch. Alles ist in Bewegung, und auch diese Empfindungen kommen und gehen.


  1. Loslassen und Eintauchen: Wenn etwas länger bleibt – ein Bild, eine innere Qualität wie Offenheit oder Leere –, tauche sanft hinein in das, was da ist. Erlebe es von innen heraus, ohne etwas verändern zu müssen. Lass dich überraschen, wie es sich entfaltet. Alles, was auftaucht, ist willkommen. Bleib freundlich, offen und neugierig mit dem, was sich in dir bewegt.


  1. Schau die Situation mit neuen Augen an: Wenn du das Gefühl hast, dass sich eine neue innere Qualität ausbreitet – Wärme, Offenheit oder etwas ganz anderes –, gehe zur Ausgangssituation zurück und frage dich: Was ist mir jetzt wichtig? Was erfordert dieser Moment von mir?

 

Die Wirksamkeit dieser Übung steigt, wenn du deine inneren Erfahrungen laut einer vertrauten Person oder auch dir selbst gegenüber beschreibst. Oder wenn du sie aufschreibst.

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