Frei sein von allen Problemen
Aktualisiert: 22. Sept.
Stell dir vor, du wachst in der Früh auf und alle deine Probleme sind auf einmal weg. Du bist sorgenlos. Nichts kann oder wird passieren. Wie würdest du dich fühlen? Wie startest du dann in den Tag? Nimm dir einen Moment, dir das vorzustellen – und auch zu spüren. Wie bist du dann?

Bei mir kommt eine Leichtigkeit, eine Offenheit und eine innere Freude auf den Tag, der vor mir liegt. Oh, wie schön …
Aber das ist doch nur eine Vorstellung. In der Realität gibt es doch Probleme! Oder zumindest glauben wir das. Wenn wir aber genauer hinschauen:
Sind all unsere Probleme tatsächlich jetzt in diesem Moment da? Oder haben sie nicht sehr viel damit zu tun, was in der Zukunft kommen wird oder könnte?
Probleme, die noch gar nicht da sind
Überlege kurz: Was macht dir gerade Sorgen? Was sind deine Probleme? Sind sie jetzt in diesem Moment da – oder hängen sie eher mit etwas zusammen, das noch passieren könnte oder wird?
Natürlich gibt es Dinge, die in unserem Leben schwierig sind. Wir müssen Entscheidungen treffen, Rechnungen bezahlen, Beziehungen gestalten, mit Verlust umgehen oder mit Situationen zurechtkommen, die wir gerne verändern würden. Und trotzdem erleben wir ständig Probleme, die eigentlich noch gar nicht da sind.
Unsere Gedanken schauen voraus: Was könnte passieren? Was darf auf keinen Fall passieren? Was muss ich noch tun, damit etwas Unangenehmes nicht passiert? Was kann ich tun, damit etwas Positives passiert?
So sind wir ständig mit Problemen beschäftigt, die es in diesem Moment noch gar nicht gibt. Sie kommen vielleicht noch. Vielleicht aber auch nicht. Die Zukunft ist unsicher.
Ein Beispiel aus dem Alltag
Und gerade während ich diesen Text schreibe, ist mir ein ganz alltägliches Beispiel dafür passiert: Mein Gefrierschrank ist unerwartet aufgetaut. Das ist natürlich ein Problem. Das Essen ist aufgetaut, einiges muss weg, und ich muss herausfinden, was passiert ist.
Aber wenn ich genauer hinschaue: Ist es in diesem Moment ein großes Problem?
Im nächsten Moment ist da einfach die Erkenntnis: Der Gefrierschrank ist warm. Dann kommt der nächste Schritt: das aufgetaute Essen wegwerfen. Dann die Behälter ausräumen und reinigen. Dann schauen, woran es liegen könnte. Was muss ich als Nächstes tun?
Und wenn ich einfach bei dem bleibe, was gerade ansteht, ist es eigentlich erstaunlich unkompliziert. Schritt für Schritt. Manchmal sogar ganz befriedigend. Wieder etwas erledigt. Wieder etwas sauber. Am Ende ist plötzlich wieder Platz im Gefrierschrank.
Aber sobald mein Denken übernimmt, kann aus diesem einen Problem sehr schnell eine ganze Geschichte werden: Ich brauche vielleicht einen neuen Gefrierschrank. Ist er noch von der Garantie gedeckt? Wo sind die Unterlagen? Was kostet das? Wann habe ich überhaupt Zeit, einen neuen zu kaufen? Was, wenn noch etwas anderes kaputt ist? Und plötzlich habe ich nicht mehr nur einen aufgetauten Gefrierschrank – ich habe eine ganze Liste von Problemen, die gelöst werden müssen.
Natürlich kann es sein, dass ich tatsächlich einen neuen Gefrierschrank kaufen und mich um die Garantie kümmern muss. Aber auch dann muss ich nicht alles gleichzeitig lösen. In jedem Moment gibt es zunächst nur den nächsten Moment und den nächsten Schritt.
Wenn Gedanken Gefühle auslösen
Wieso können wir nicht einfach sorgenlos in den Tag starten und von Moment zu Moment wahrnehmen, was auf uns zukommt?
Nun, da kommen auch unsere Gefühle ins Spiel. Gefühle finden im Körper statt. Und wenn ein Gedanke intensiv genug ist, kann er sehr starke Empfindungen auslösen – Empfindungen, die wir vielleicht lieber nicht spüren würden. Und dann haben wir schon den Start der Probleme.
Also gehen wir ins Handeln. Wir versuchen, die Situation zu verändern, bevor die Gefühle uns erwischen. Und doch funktioniert das nicht so ganz. Auch wenn wir es immer wieder schaffen, im Moment zu sein und das Leben so zu nehmen, wie es ist, erwischt es uns immer wieder. Unsere Emotionen sind schnell. Viel zu schnell. Und unsere Gedanken sind viele. Viel zu viele.
Wie wir uns im Karussell verlieren
Früher oder später erwischt es uns. Und schwupps – sind wir weg. Intensive Empfindungen aktivieren neue Gedankenketten, diese Gedanken aktivieren weitere Gefühle, und plötzlich verlieren wir uns in einem Karussell aus Gedanken und Gefühlen. Und unser Leben fühlt sich auf einmal voller Probleme an.
Was wäre, wenn alles da sein darf?
Aber was wäre, wenn wir mit allem, was gerade da ist, okay wären? Auch mit den unangenehmen Gefühlen? Nicht für immer. Nur für diesen Moment. Und wieder diesen Moment.
Wenn etwas da sein darf, müssen wir es nicht sofort verändern. Wir hätten eine Pause vom Denken, vom Handeln und vom Versuch, unsere Gefühle zu managen. Wir könnten einfach sein mit dem, was gerade ist. Und spannenderweise wandelt es sich dann oft ganz von alleine. Einen Moment nach dem anderen.
Frei sein – zumindest für diesen Moment
Es fühlt sich fast so an, als wäre das Leben frei von Problemen – für den Moment. Zumindest bis uns der nächste Gedanke oder das nächste Gefühl aktiviert.
Aber vielleicht ist genau das Leben: ein ständiges Auftauchen von Gedanken, Gefühlen und Erfahrungen – und die Möglichkeit, immer wieder in diesen Moment zurückzukehren und sie zu erfahren, bevor wir sie zu Problemen machen, die gelöst werden müssen. Und vielleicht erfahren wir dann auch wieder diese Leichtigkeit und Offenheit, die wir als Kind erlebt haben – bevor wir alle Probleme hatten.
Am Dienstag gemeinsam erforschen
Am Dienstagabend schauen wir uns genauer an, was uns im Leben Probleme macht und wie wir mit dem, was gerade da ist, sein können – auch mit dem Unangenehmen, sodass es sich wandeln kann.
Wir üben unsere Kapazität, mit dem zu sein, was ist, sodass wir weniger Probleme lösen müssen und mehr von dem Moment haben, der gerade vor uns liegt.

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